Guantanamo, Siegerjustiz und Nürnberg
deutschusaauswuechse des establishments
Ein sehr erschreckender Artikel fand sich gestern im Spiegel. Es geht um die Terror-Prozesse in Guantanamo und im speziellen um die Verwendung eines Propagandafilms als Beweismittel:
80 Minuten lang ist der siebenteilige Streifen, 20.000 Dollar hat die US-Regierung für seine Produktion ausgegeben. Man sieht darin verkohlte Leichen, gesprengte Autos, schreiende Opfer, ein angegriffenes US-Militärschiff. Man sieht Flugzeuge in das World Trade Center stürzen. Man hört Ausschnitte aus Ansprachen Osama Bin Ladens.
Eine Dokumentation der Schrecken des Al-Quaida Regimes? - Mitnichten.
"Er ist vorverurteilend, und das ist der Grund, aus dem wir ihn zeigen", zitiert die "Los Angeles Times" den Chefankläger, Oberst Lawrence Morris. "Ich glaube, die Menschen denken, dass Vorverurteilung irgendwie falsch ist."
In demokratischen Rechtssystemen denken sie das zurecht, doch in den USA ist das scheinbar anders (bzw. in den nicht in Amerika liegenden, rechtsfreien Bastionen der USA).
In fast keinem Artikel in den großen US-Zeitungen über den Hamdan-Prozess fehlte ein Verweis auf den Film, seinen Titel und die Parallele zu den Nürnberger Prozessen. Vermutlich lag genau das im Kalkül der Anklage. Sie äußerte sich allerdings nicht dazu. Anfragen von SPIEGEL ONLINE wurden abschlägig beschieden.
Bei der (zurecht entstandenen) Umstrittenheit der Prozesse vor allem in Europa kommt es den USA nur zurecht dann sagen zu können: "In Nürnberg wurde doch das gleiche gamacht."