Mittelalterliche Zahlenmystik
published on 2012-03-13 16:46:40 by Jürgen Buchinger in deutsch.
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Oh, wie ich es liebe...


Die fünfzehn Vaterunser sind die fünfzehn Augenblicke der Passion, die 150 Aves sind die Psalmen. Sie bedeuten aber noch viel mehr. Indem man die elf Himmelssphären samt den vier Elementen mit den zehn Kategorien: substantia, qualitas, quantitas usw. multipliziert, erhält man 150 habitudines naturales; desgleichen 150 habitudines morales, wenn man die zehn Gebote mit fünfzehn Tugenden multipliziert: die drei theologalen, die vier kardinalen, die sieben kapitalen Tugenden, das sind vierzehn; „restant duae: religio et poenitentia“; nun ist eine zu viel da, aber die Kardinaltugend temperantia entspricht der Kardinaltugend abstinentia, es blieben also fünfzehn übrig. Jede dieser fünfzehn Tugenden ist eine Königin, die ihr Brautbett in einem der Abschnitte des Vaterunser hat. Jedes der Worte des rupis angelica, die sie selbst ist; jedes Wort vertreibt eine Sünde oder das Tier, das diese Sünde verkörpert. Diese Worte sind außerdem Zweige eines Baumes voller Früchte, in dem alle Seligen sitzen und die untersten Stufen einer Treppe...
(Johan Huizinga, Herbst des Mittelalters. Studien über Lebens- und Geistesformen des 14. und 15. Jahrhunderts in Frankreich und in den Niederlanden, Stuttgart 1978, S. 243)

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