Entteufelung des technologischen Fortschritts
deutschaus dem leben...economyphilosophischesarbeit
Letztens habe ich mit einem interessanten Typen
zusammengearbeitet - so einem richtigen Hackler. So einem vom alten
Schlag, ist bestimmt schon 40 Jahre in der Firma und hat es bestimmt schon 20
Jahre lang satt, was sich auf seinem Gesichtsausdruck auch ablesen lässt. So
einer der harten Sorte, für den als arbeitserleichternde Hilfsmittel maximal
noch Handschuhe erlaubt sind. Seit kurzem. Und lange Erklärungen fallen genauso
wie jegliche Höflichkeitsfloskeln unter jene nicht benötigten Hilfsmittel.
So jemand, der ab dem Einstempeln bei der Stempeluhr nur noch denkt "6i
muas wean!" und auch genau so eine Laune hat. Aber seinen Job macht er
gut. So gut, dass in der 2ten Generation seine Kinder wohl mit magnetischen
Greifzangen statt Händen auf die Welt kommen würden, der Evolution wegen.
Kein Wunder aber, wird man in so einer Fabrik der Massenfertigung als
Arbeiter doch zur Maschine degradiert. Der Arbeitsplatz angepasst den
Abmessungen des menschlichen Arbeitsroboters. Mit anziehbaren Handmagneten
werden die körperlichen Unzulänglichkeiten den industriellen Anforderungen
angepasst. Und während man also physisch in seine Maschinenrolle gedrängt wird,
fügt man sich langsam auch psychisch in selbige Rolle: Die Umgebungslautstärke
lässt ein Arbeiten nur mit Gehörschutz zu, was die interkollegiale
Kommunikation auf ein Minimum beschränkt (das heißt, zwei Minuten um die
Arbeitsanwesungen zu erklären).
Acht Stunden am Tag also, arbeiten in einem sowohl psychisch wie physisch
die eigene Industrialisierung - sprich Vermaschinlichung, also umgekehrt
Entmenschlichung - suggerierendem Ambiente. Dass so eine Beschäftigung bereits
nach kürzerer Zeit vor allem körperliche Schäden oder zumindest
Unannehmlichkeiten - schon durch die dauernde Wiederholung kurzer Bewegungsabläufe,
Verletzungen also gar nicht berücksichtigend - aber nach längerer Zeit
sicherlich auch psychische Veränderungen mit sich bringt, ist offensichtlich.
Jetzt wird aber des öfteren postuliert, der Fortschritt, die Industrialisierung
sei nicht unbedingt gut, sondern vielmehr fraglich, werden doch durch die
stetige Weiterentwicklung der Technik viele menschliche Arbeitskräfte ersetzt
durch Maschinen, Arbeitsplätze somit abgebaut. Auch wo ich gerade arbeite,
tritt dieses Phänomen auf, es gibt zum Beispiel Roboter, die Blechplatten aus
Pressen nehmen und in andere schlichten, also genau die Arbeit übernehmen, die
sonst die Arbeiter machen. Obige Erläuterungen und die eigene Erfahrung
berücksichtigend, kann man sagen, es ist nur wünschenswert, dass solche Arbeitsplätze
ersetzt und weiters von Maschinen bedient werden. Ich denke, nach bisher
geschriebenem, eine Arbeit, die eine Maschine ebenfalls verrichten könnte, sollte
nicht von einem Menschen verrichtet werden.
Hier wird das Argument der Arbeitsplatzsicherung gebracht werden. Der
zukünftige Arbeitsmarkt wird früher oder später - der Fortschritt ist ohnehin
nicht aufzuhalten - keine "Arbeiter"-Jobs mehr bieten - die Arbeit
der Zukunft wird im Kopf verrichtet. Beziehungsweise im Umgang mit Menschen.
Was also in Zukunft von Menschen gemacht werden wird - und auch sollte,
ausnahmslos - sind Jobs, die geistige Arbeit, Kreativität und/oder
Kundenkontakt verlangen. Alles, das Maschinen nicht können, Menschen dafür
umso besser, Dinge, die zu tun, Menschen sogar ein Bedürfnis haben. Die
Interaktion mit Menschen und das kreative, also schöpferische Tun.
Und wo sollen diese Jobs geschaffen werden? - Ganz einfach. Der Abbau
jeglicher Jobs, die nur körperliche Arbeit verlangen, wird nicht nur ein
gesteigertes Angebot an (nunmehr psychischer oder sozialer statt physischer)
Arbeitskraft bieten, sondern auch eine um das selbe Maß gesteigerte Nachfrage
nach all jenen Produkten geistiger Arbeit und Kreativität, also nach einem
großen, breit gefächertem Angebot an Kultur, Büchern, Filmen, Theaterstücken,
...
Warum? - Die Menschen, die heute noch müde und ausgebrannt aus der Arbeit
kommen und aufgrund mangelnder Energien für Anderes sich nur berieseln lassen
(wollen) von einem stupiden und deshalb keinerlei Aufmerksamkeit oder Anstrengung
fordernden Fernsehprogramm, werden diese Energien dann schon haben. Energien um
zu Lesen, ins Theater zu gehen, anspruchsvolle Filmproduktionen zu sehen...
werden also konsumwillig sein für das Angebot an Produkten geistiger Arbeit und
Kreativität. Und um ebendies alles zu vertreiben werden weitere Arbeitskräfte
im Bereich Kundenkontakt und Promotion, Verbreitung benötigt.
Durch den Abbau jener rein physischen Arbeitsplätze also, der durch den
Technologiefortschritt und seine Entteufelung als Arbeitsplatzvernichter
vonstatten gehen muss, wird somit nicht nur der Arbeitsmarkt eine
gravierende Änderung erfahren, sondern die ganze Gesellschaft. Wo jetzt
Trivialkultur herrscht und das hervorbringt, was wir zur Zeit im Fernsehen und
gewissen Boulevardprintmedien sehen, wird eine breit gefächerte,
ernstzunehmende Kulturlandschaft entstehen, die endlich die Wahr- und
Wichtignehmung in breiten Bevölkerungsschichten erfahren wird, die vielen
Kulturprodukten heute noch verwährt wird.
Das diese Änderung nicht von heute auf morgen passieren wird, es aus
systemimmanenten Gründen gar nicht kann, ist klar. Das sie passieren
wird aber ebenso, der technologische Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Das wir
ihn aber forcieren sollten - und alle seine arbeitsmärktlichen Konsequenzen -,
das ist leider noch nicht so klar.