Zugfahren ...und so.
deutschaus dem leben...philosophisches
Zugfahren, sagte ich mir einmal
mehr, als ich in Valparaiso
mit der City-Bahn fuhr, ist eine tolle Sache. Ich fahre gern Zug.
Besonders lange Strecken. Das ist wie nichts tun, aber dann doch
etwas zu verrichten. Das gleiche Phänomen tritt bei eigentlich allen
Fahrten über längere Strecken auf, sei es im Bus, Zug, Auto, im
Flugzeug schon weniger, da die zerstreuende Landschaftsbühne fehlt,
da liest man, da sieht man Film, da ist alles schon zu steril.
Grundsätzlich aber auch dort. Das Tolle ist die Möglichkeit,
nachzudenken. Sich zuhause einfach hinzusetzen und nichts zu tun ist
quasi unmöglich. Dabei auch einfach noch nachzudenken noch weniger.
Unsere Sinn-Gesellschaft zwingt uns ständig, den Gedanken auf, etwas
sinnvolles (soo sinnvoll muss es im Grunde genommen gar nicht sein,
der Anschein der Beschäftigtheit reicht schon aus um uns zu
beruhigen) tun zu müssen und lässt uns nicht in Ruhe denken. Im
Zug, beim Reisen, tun
wir etwas, auf jeden Fall. Wir reisen. Wir bewegen uns fort (bewegt
man sich beim nach Hause Resien auch fort,
oder bewegt man sich heim,
wäre nicht heimbewegen
also der korrekte Terminus?), sowieso. Ohne unser Zutun, ganz von
selbst (von selbst natürlich nicht, aber ohne unser unmittelbares
Zutun), egal, wie wenig wir in Wirklichkeit tun.
Dieser Blankoscheck der Beschäftigtheit (nicht Beschäftigung,
das wäre etwas ganz anderes) also lässt uns die gänzlich freie
Zeit. Frei von Sinnverpflichtungen, frei von den Verlockungen
unverrichteter Arbeit, Fernsehen (das uns ja erstaunlicherweise auch
als sinnvoll
erscheint, uns nicht mit dem Gefühl quält, etwas tun zu müssen,
bestenfalls danach, also Sinnhaftigkeits-Reue sozusagen, die Zeit
sinnvoll genützt haben zu können), et cetera. Diese Zeit also, die
uns gänzlich frei (weil ja schon durch sich
fortbewegen sinnvoll gemacht) geschenkt wird,
können wir mit jeglicher nicht-Aktivität verbringen ohne durch
zuruf des Sinn-Gewissens gemahnt zu werden..
Nachdenken, zum
Fenster hinausschauen auf die verschiedenen Geschwindigkeiten
vorbeifliegender Landschaftsebenen, Musikhören (einfach nur
Musikhören!), was auch immer, völlig frei, völlig losgelöst -
nichtstuend und doch beschäftigt.