Mittelalterliche Zahlenmystik
published on 2012-03-13 16:46:40 by Jürgen Buchinger in deutsch.
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Oh, wie ich es liebe...


Die fünfzehn Vaterunser sind die fünfzehn Augenblicke der Passion, die 150 Aves sind die Psalmen. Sie bedeuten aber noch viel mehr. Indem man die elf Himmelssphären samt den vier Elementen mit den zehn Kategorien: substantia, qualitas, quantitas usw. multipliziert, erhält man 150 habitudines naturales; desgleichen 150 habitudines morales, wenn man die zehn Gebote mit fünfzehn Tugenden multipliziert: die drei theologalen, die vier kardinalen, die sieben kapitalen Tugenden, das sind vierzehn; „restant duae: religio et poenitentia“; nun ist eine zu viel da, aber die Kardinaltugend temperantia entspricht der Kardinaltugend abstinentia, es blieben also fünfzehn übrig. Jede dieser fünfzehn Tugenden ist eine Königin, die ihr Brautbett in einem der Abschnitte des Vaterunser hat. Jedes der Worte des rupis ...
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Die gemütliche Unverschämtheit des Mittelalters
published on 2012-03-06 12:05:20 by Jürgen Buchinger in deutsch.
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Stellen wir neben diese Burgundische Hoffart die gemütliche Unverschämtheit von Rudolf Agricolas Vater, dem Pastor von Baflo, der an dem Tage, da er zum Abt von Selwert gewählt wurde, die Nachricht erhielt, daß ihm von einer Beischläferin ein Sohn geboren worden war. Was sagte er dazu: „Heute bin ich zweimal Vater geworden: möge Gottes Segen darauf ruhen“.
(Johan Huizinga, Herbst des Mittelalters. Studien über Lebens- und Geistesformen des 14. und 15. Jahrhunderts in Frankreich und den Niederlanden. Hg. v. Kurt Köster, Stuttgart 1987, S. 186)

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Igel und Mediävisten
published on 2012-02-08 18:15:39 by Jürgen Buchinger in deutsch.
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Langsam aber sicher bekomme ich große Lust Mediävist zu werden:


Die Igel haben die Gestalt einer Kugel und sind völlig mit Stacheln bedeckt. Der Physiologus hat vom Igel gesagt, daß er auf die Weinstöcke zu den Trauben klettert, die Beeren auf den Boden wirft und sich auf ihnen wälzt. Die Beeren werden auf seinen Stacheln aufgespießt, und er bringt sie seinen Jungen und läßt den Weinstock geplündert zurück.
(Umberto Eco, Schönheit und Kunst im Mittelalter, München 1993, S. 98)

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