Schläft ein Lied in allen Dingen...
published on 2010-05-29 22:03:25 by juergen in deutsch.
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Und wenn wir über Kunstwerke reden, den Diskurs über ein Gemälde entfachen, uns in – wissenschaftlich fundierten, belegbaren, aber doch nur – Spekulationen über ein Gemälde ergehen, solange, bis vielleicht einmal eine solche Spekulation, die sie noch immer ist, zu einer Deutung wird, einer anerkannten – zweifellos aber nie unwidersprochenen – die dann ein Gemälde – vom Künstler intendiert oder nicht – plötzlich wirklich jetzt dies und jenes bedeuten lässt, das heißt nicht die Linien und die Farben auf einer gewissen Oberfläche für den Genuss, den es [das Sprechen darüber] verschafft, sterben zu lassen, oder wie in Poussins kolportiertem Ausspruch über Caravaggio die Malerei zerstören, nicht wie in Rilkes Gedicht die Dinge umbringen, heißt nicht, die Malerei vernichten, töten, sondern ganz im Gegenteil, heißt sie beleben, heißt – mit Eichendorff – sie singen machen.

Zitate (kursiviert) nach Reihenfolge des Erscheinens:
Louis Marin, Die Malerei zerstören, Berlin 2003, S. 19.
André Félibien, Entretiens sur les Vies et sur les Ouvrages des plus Excellens Peintres Anciens et Modernes avec la Vie des Architectes[…], zitiert nach Marin 2003, S. 252.
Rainer Maria Rilke, Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Joseph von Eichendorff, Wünschelrute.

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