Schoen langsam wird's ein wenig ungemuetlich...
published on 2008-02-18 00:00:00 by juergen in deutsch.
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Bisher immer nur ein Grund zum Aufregen, aber nun wird die ganze Sache wirklich etwas bedenklich. Etwas? - Sehr. Die Rede ist von de Ueberwachungswahn jeglichen Establishments, der in diesen Tagen wirklich zu entarten scheint. Das Problem ist, das man wegen der ganzen Nachrichtenmeldungen ueber Vorratsdatenspeicherung, Videoueberwachung, Handyortung, Bundestrojaner, Mailboxenoeffnungen, biometrischen Passdaten, etc, etc, die in den Medien zwar berichtet, deren gefaehrliche Ausmasze aber keinesfalls bewusst gemacht wurden, nunmehr abgestumpft ist und den objektiven, distanzierten Blick wohl schon verloren hat.

Dabei sollte es einem nicht normal vorkommen, dass die EU jetzt auch (nach - wie koennte es anders sein - den USA) Fingerabdruck und Gesichtsscan (!) eines jeden Ein- oder Ausreisenden Nicht-EU-Buerger vorzunehmen beschlossen hat. Zur Erleichterung der Einreise und Beschleunigung der Kontrollen soll dieses Vorgehen aber auch bald auf EU-Buerger ausgeweitet werden.

Dann Deutschland, das seit Jahren Informationen ueber Pakete und ihre Absender vor deren Eintreffen dort an die USA uebermittelt.

England, welches alle seine Schueler in einer groszen, zentralen Datenbank mit Leistungen und Verweisen erfassen wird, die lebenslang (!) erhalten bleibt und - wenn auch mit eigens vom Schueler zu uebermittelndem Passwort - auch fuer den Zugriff durch Firmen gedacht ist. Klar muss der Schuler den Zugriff erteilen, aber dann heiszt es eben bei jeder Stellenbeschreibung "Bewerbungen nur mit Passwort fuer die Schuldatenbank". Aber bei England waere es ja auch nicht verwunderlich wuerden sie die Daten einfach verlieren, oder mit ihnen gefuellte Speichermedien in den Hausmuell werfen.

Dann noch die Auskunftspflicht der Internet-Service-Provider, der unkontrollierte, weil ohne Richterlichen Beschluss Zugriff auf Verbindungsdaten, Mails, ...

Das alles wissen wir ja eigentlich schon, von Zeit zu Zeit hier oder dort gelesen, klarerweise sich aufgeregt, aber kaum. Und dann ploetzlich steht man dieser Masse an Ueberwachung, Kontrolle, Durchsichtigkeit seiner selbst gegenueber und sieht sie nicht einmal, weil man - wie gesagt - abgestumpft ist. Und schon zeigen sich die ersten Opfer, unter denen vor allem auch die Demokratie ist. Die Freiheit seine Meinung kundzutun. Und vieles mehr.

Die Entwicklung scheint natuerlich, wegen steigendem Terrorismus und immer neueren Technologien, ist es vielleicht auch technologisch betrachtet. Was nicht heiszt, das sie hinzunehmen ist. Und selbst wenn Verfassungsklagen und Wahlen nichts nuetzen, werden wir einen Weg finden, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Mit den Worten Guenther Eichs:

Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid mißtrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen.
Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind, wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!

Überwachung statt Freiheit (ZEIT Online), Kommentar von Kai Biermann

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